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Kalender

Gartenkalender Oktober 2026

„Unordnung“ im Garten erwünscht

New Perennial Movement – die Schönheit des Vergehens

Der Oktober ist einer der schönsten Monate im Garten. Die große Blütenfülle des Sommers klingt langsam ab, die Farben werden wärmer und die ersten kühlen Nächte verändern die Stimmung im Garten.

Gerade jetzt zeigt sich, was eine gute Staudenpflanzung wirklich kann.

Seit über 40 Jahren arbeite ich mit Stauden. In dieser langen Zeit habe ich unzählige Pflanzen kennengelernt, beobachtet, kombiniert und immer wieder erfahren, wie unterschiedlich sie sich im Laufe der Jahreszeiten entwickeln. Als Pflanzenkennerin interessiert mich deshalb nicht nur die einzelne Blüte. Mich fasziniert vor allem, wie sich eine Pflanze über das ganze Jahr hinweg zeigt – vom ersten Austrieb bis zum Samenstand.

Und genau hier begegnen wir einer Idee, die mich besonders anspricht: dem New Perennial Movement.

Wenn der Garten im Oktober seine besondere Seite zeigt

Das New Perennial Movement, die „Neue Staudenbewegung“, hat unseren Blick auf Staudenpflanzungen nachhaltig verändert.

Im Mittelpunkt steht nicht das perfekt gepflegte Beet, in dem jede Pflanze ihren genau definierten Platz hat. Stattdessen entstehen Pflanzungen, die sich an natürlichen Pflanzengesellschaften orientieren.

Stauden und Gräser werden miteinander verwoben. Sie dürfen sich berühren, ineinander wachsen und ihre Wirkung gemeinsam entfalten. Das Ergebnis wirkt oft spontan und beinahe zufällig.

Aber genau das ist es nicht. Hinter einer gelungenen Pflanzung steckt eine genaue Kenntnis der Pflanzen, ihrer Wuchsformen, ihrer Konkurrenzkraft und ihrer Entwicklung über die Jahreszeiten.

Gräser und Samenstände im herbstlichen Staudenbeet

Pflanzen kennen statt Pflanzen sammeln

Nach 40 Jahren mit Stauden habe ich gelernt, dass ein Garten nicht davon lebt, möglichst viele verschiedene Pflanzen zu besitzen.

Viel wichtiger ist es, die richtigen Pflanzen miteinander zu kombinieren.

Welche Staude bleibt auch nach der Blüte attraktiv? Welche Pflanze hat einen schönen Samenstand? Welche Gräser geben einer Pflanzung im Herbst Leichtigkeit? Welche Staude verschwindet nach der Blüte und braucht deshalb einen guten Partner?

Solche Fragen sind für mich bei der Gestaltung viel wichtiger als die Frage, welche Pflanze gerade besonders modisch ist. Eine gute Staudenpflanzung erzählt so über viele Monate eine Geschichte. Und im Oktober ist diese Geschichte besonders spannend.

Der Herbst gehört den Gräsern und Samenständen

Während im Sommer häufig die Blüten den Ton angeben, übernehmen im Herbst zunehmend Strukturen und Formen die Hauptrolle. Gräser beginnen sich goldgelb, bronzefarben oder rötlich zu verfärben. Ihre Blütenstände schweben über den Beeten und bewegen sich bei jedem Windhauch. Auch viele Stauden, deren Blüten längst verblüht sind, werden jetzt wieder interessant. Ihre Samenstände bleiben stehen und geben dem Garten eine neue, fast architektonische Struktur. Ich finde, gerade darin liegt eine der großen Stärken des New Perennial Movement:

Das Verblühen wird nicht als Ende betrachtet, sondern als Teil der Gestaltung.

Muss ein Garten immer „aufgeräumt“ sein?

Das ist eine Frage, die ich mir nach vier Jahrzehnten mit Pflanzen immer wieder stelle.

Natürlich gibt es Situationen, in denen ein Rückschnitt sinnvoll ist. Aber warum sollten wir im Herbst alles abschneiden, was nicht mehr blüht? Viele Stauden sind gerade jetzt wunderschön. Wenn morgens der erste Raureif auf den Samenständen liegt oder die tief stehende Herbstsonne durch Gräser fällt, entstehen Bilder, die wir im Sommer gar nicht wahrgenommen hätten. Deshalb lasse ich viele Pflanzen bewusst stehen. Der Garten darf im Herbst zeigen, dass er lebt.

Piet Oudolf und die Idee der natürlichen Pflanzung

Ein Name ist untrennbar mit dem New Perennial Movement verbunden: Piet Oudolf.

Der niederländische Gartengestalter hat weltweit gezeigt, welche Wirkung entsteht, wenn Stauden und Gräser nicht ausschließlich nach ihrer Blüte, sondern nach ihrer gesamten Erscheinung ausgewählt werden. Dabei geht es um Struktur, Silhouette, Farbe, Bewegung und die Wirkung einer Pflanze im Zusammenspiel mit ihren Nachbarn. Diese Art der Gestaltung hat meinen eigenen Blick auf Pflanzen immer wieder bestätigt:

Eine Staude ist nicht nur dann interessant, wenn sie blüht.

Ihre Blätter, ihr Wuchs, ihre Samenstände und sogar ihre trockenen Stängel können für die Gestaltung wertvoll sein.

Mein Tipp für den Oktober

Wenn Sie jetzt durch Ihren Garten gehen, versuchen Sie einmal, nicht nur nach verblühten Blumen zu schauen.

Schauen Sie genauer hin.

  • Welche Pflanzen stehen noch aufrecht?
  • Welche Samenstände sind besonders schön?
  • Welche Gräser bewegen sich im Wind?
  • Wo entstehen interessante Farbkombinationen?
  • Welche Pflanzen geben dem Beet auch ohne Blüte Struktur?

Vielleicht entdecken Sie Ihren Garten dadurch ganz neu.

Und bevor Sie zur Gartenschere greifen, überlegen Sie bei jeder Staude: Muss sie wirklich schon weg?

Manches, was auf den ersten Blick vertrocknet aussieht, wird in den kommenden Wochen noch zu einem wichtigen Gestaltungselement.

Ein Garten darf sich verändern

Nach 40 Jahren Arbeit mit Pflanzen bin ich immer wieder davon begeistert, wie wandelbar ein Garten sein kann. Der Garten im Oktober ist nicht einfach der Sommergarten mit weniger Blüten. Er ist ein anderer Garten. Die Farben verändern sich, die Formen treten stärker hervor und das Licht wird weicher. Blüten treten zurück und Strukturen kommen zum Vorschein.Für mich ist das eine der schönsten Erkenntnisse aus der Arbeit mit Pflanzen:

Garten ist nicht nur Blüte. Garten ist Veränderung.

Das New Perennial Movement hat diese Sichtweise in der modernen Gartengestaltung sichtbar gemacht. Es zeigt uns, dass Natürlichkeit und Gestaltung kein Widerspruch sein müssen.

Und vielleicht ist der Oktober genau der richtige Monat, um das selbst zu erleben.

Lust auf einen Garten, der zu Ihnen passt?

Vielleicht möchten Sie Ihren eigenen Garten natürlicher, lebendiger und über das ganze Jahr hinweg spannender gestalten. Vielleicht fragen Sie sich, welche Stauden zu Ihrem Standort passen, wie Sie Gräser und Stauden harmonisch kombinieren oder wo in Ihrem Garten noch ungenutztes Potenzial steckt.

Dann lassen Sie uns gemeinsam hinschauen.

Mit meiner Erfahrung aus 40 Jahren Staudenarbeit und meinem Wissen als Pflanzenkennerin berate ich Sie persönlich und individuell – direkt in Ihrem Garten.

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